Als erster der Zeitgeborenen hatte er dies Wissen.
Durch einen Vorhang erleuchteten Mentals, in der Grenzsphäre zwischen Denken und Schau, fand er eine geheime Grotte, ein mystisches Tor zur Quelle aller Vision, ein Raum des Schweigens und des Wissens.
Gleichgültig gegenüber Zweifeln und Gedanken setzte er sich dort den Schocks nackter Wirklichkeit aus. Was ein Erdenherz bindet hatte er bereits abgestreift und auch das Joch der Materie. Die Gesetze des Körpers versklavten nun nicht mehr seinen Geist und Sterben begann allmählich bedeutungslos zu werden. So konnte er in einen magischen Bereich eintreten den zuvor nur wenige je besucht hatten und wurde dort dem Wirken von Müh und Erdenlast entbunden.
Alles was Götter einst lehrten wird dort im Selbst gewusst. In Archiven kosmischer Aufzeichnungen sind hier die Tafeln heiligster Gesetze aufbewahrt und die Inhalte des Lebensbuches strukturiert sowie auch die Symbolmächte für Zahl und Form und der geheime Kodex der Erdgeschichte.
In jener Glut geistiger Erhebung fand er die spirituellen Kommentare zur Weltgeschichte und die Präambel jener unfasslichen Vereinbarung die alles regelt was sich vom Dunkel stofflicher Ebenen emporwindet zum Ewigen.
Er war nun fähig, die seltsam verwirrenden Orakelzeichen neu zu lesen und auch zu verstehen. Paradoxien, rätselhafte Formeln und irreführende Begriffe bekamen Sinn und wurden zu einer Art Kurzfassung jeglicher Wahrheitsenthüllung. Jetzt konnte er des Werkes schwierige Bedingungen erkennen als Rahmen eines mächtigen Opus berechtigter Notwendigkeiten und Verständnis entwickeln für das nahezu unmögliche Bemühen der Natur schwerelose Weisheitskraft zu erringen.
Er musste sich der Polarität göttlicher Welten stellen wie auch jener die Welt Natur und Menschsein regiert. Unendlichkeiten waren beteiligt daran, hatten sich einst der Not von Geburt und Tod unterworfen um der Suche nach Wahrheit willen eingekerkert in einem fleischlichen Herzen: das Bündnis Gottes mit der Nachtseite des Seins.
Wiederum ward in kosmischer Weite die Verheissung Gottes an alles Leidende gehört um Natur aus dumpfer Müh‘ zur Herrlichkeit Ihres eingeborenen Wesens erwecken: ein unsterblicher Geburtsschrei ins Räderwerk der Vergeblichkeit, der Eröffnungsvers einer Neuen Schöpfung. Aus Tiefen und Abgründen stieg da der Welt vergrabenes Geheimnis auf!
Er las die Urschrift versiegelter Erlasse in verschlossenen Archiven und sah Unterschrift und auch das Flammensiegel der Weisheit auf den Werken dunkler Mächte in der Krypta des Unsäglichen, die verkappt in Unwissenheit derart sich Stufen der Offenbarung baut.
Schlafende Gottheiten öffneten ihre unsterblichen Augen und schwängerten Materie mit spirituellem Sinn. So begann des Lebens Schwangerschaft mit seinem goldenen Kind. Das Rätsel büsste seine dunkle Fangkraft ein und lichteste Liebe fiel auf ermatteten Lebensmut. Ein neuer Zweck heiligte nun die Launen des Schicksals und dem Stolperschritt des Zufalls stellte sich tiefer Sinn entgegen. Schicksal offenbarte sich als Kette hellsichtigen Wirkens und alten stummen Raum erfüllte kosmisch bewusste Weite. Höchste Allbewusstheit nahm Platz auf ewigem Thron.
Ihn ergriff nun unermesslich eine Hoffnung und ein Wille, des Übermenschen Seinsweise klar zu erkennen und die Bedingungen seiner Wirklichwerdung. Die Pracht die er erschaut hatte wurde ihm Heimat, denn eine strahlendere und wonnigere Sonne wird bald dies düstere Gewölbe erleuchten. Seine Kinderseele musste nun allmählich ihrem Kindergarten irdischer Prägungsziele entwachsen und ihren Erdendialekt in Gottessprache wandeln.
Er begann in lebendigen Symbolen die reale Wirklichkeit zu studieren und lernte so die Logik des zeitlosen Unendlichen. Dabei liess er es zu, dass sein Körper durch das Innewohnen Gottes erleuchtet und durchstrahlt wurde. So wie man durch Nebel höchste Gipfel ahnend erschauen mag türmten sich in seiner Vision Hoheiten überirdischer Seinssphären als Gegenpol zum vegetieren in einem zerrissenen und zermahlenen Universum inmitten halbwahrer Ahnungen göttlicher Ideen welche nun seiner königlichen Wandlung nicht mehr dienen konnten.
Sein erwachter Sinn für Unsterblichkeit lehnte nun das irdische Los, welches immer auch düsteres Verhängnis im Gefolge hat, ab wie auch als Geizhals gierigen Geschachers in bitterer Not leben zu müssen und gezwungen zu sein zwischen grausamer Not und unethischem Glanz oder gierigem Reichtum zu wählen; denn selbst der höchste Freudenrausch den Zeitlichkeit schenken kann ist kaum eine Andeutung jener unvorstellbaren Seligkeiten - weniger als eine Matrix göttlicher Extase die hier so grässlich verstümmelt worden ist in irdischen Lustpalästen der Unwissenheit.
Alles was hier gewonnen wurde verliert schnell jeglichen Wert und wird meist sogar zu einem aufgebürdeten Kredit auf der Schuldnerbank der karmischen Verwickeltheiten.
Der Seher erkannte nun erschauernd die Fragwürdigkeit aller Dinge hier, denn hinter jeglicher Ordnung lauert das Chaos und eine Ursachenkette unvermeidbarer Fehlschläge bestraft jegliche Arbeit und wandelt scheinbare Erfolge in Niederlagen.
Wie ein Zwitter, bestehend aus quälenden Unvereinbarkeiten, ist der Mensch mit allen Errungenschaften seiner Mühen dem gnadenlosen und entwertenden Mahlstrom unbarmherziger Zeitmühlen ausgesetzt, denkendes Geschöpf in einer gleichgültigen Maschine, ein Mikroeiland in orkandurchtosten Eiswüsten, ein Winzling der Riese sein will oder muss, als animalisches Instinktwesen mit quälenden Gottesgaben ausgestattet, sein Leben eine Story banalster Gewöhnlichkeiten, seine Taten eine Nullsumme, Bewusstsein entfackelt nur um zu erlöschen, jegliche Hoffnung ein Irrlicht über Wiege und Grab.
Sein Selbst zog sich nun zurück von aller äusseren Arbeit und um ihn verstummte der Lärm menschlicher Tage. Einsam begann er sich gänzlich und aussschliesslich dem Yoga zu widmen. Das Leben ging auf Abstand.
Das Schweigen wurde nun zum Inhalt seiner Tage. Mehr und mehr unempfindlich und unansprechbar für Erdenziele betrat er das Heiligtum des unbeschreiblichen Zeugen. Dort hatte er die Freiheit sich im Dom seiner Denkstrukturen zu ergehen welche sich himmelwärts der Unendlichkeit entgegentürmten.
Berufung lag auf ihm aus ungreifbaren Höhen. Sein Wesen ragte hinaus über ausdenkbaren Raum, grenzenloses Denken war kosmisch geworden und in den Tiefen seiner Augen glomm universales Licht auf.
Ein goldenes Strömen floss ihm durch Nerven und Hirn , ein Strom aus den ewigen Meeren der Wonne kam als Kraft in seine sterblichen Organe. Seines geheimnisvollen und allwissenden Ursprungs gewiss verlockte ihn allmächtige Extase und machte ihn zum Brennpunkt transzendentaler Seinsweisen .
So erhoben wandte er sich einem unermesslichen spirituellen Schicksal zu.
Auf einem Teppich, wie von zerrissener Luft, versanken unter ihm die Gipfel der Erde. Er stieg empor, um weit über sich Heimat zu entdecken, wie ein Pfeil der plötzlich abgeschossen vom gespannten Bogen dieser Zeit durch Überräume dahinschwirrt, wie ein Strahl der zur väterlichen Sonne heimkehrt.
Konzentriert auf einen einzigen Punkt makelloser Freude, nämlich nach Gott zu forschen als dem einzig lohnenden Gewinn, stieg er brennend empor gleich einer feurigen Rakete und überliess seine Seele nackt dem Einen.
Die unsagbare Weite weiss, dass er ihr eigen ist, einsamer Vorläufer der zu Gott gewandten Erde und lässt ihn das Echo seiner einsamen Schritte hören. Ein namenloses Staunen füllt nun die bewegungslosen Stunden und sein Geist vermählt sich mit dem Herzen des Ewigen, ertragend das Schweigen des Unendlichen.
Zurückgezogen und versunken schwang er sich, entkleidet seines Menschseins, auf zu wegelosen Höhen. Da stürzte ein überwältigendes Nahesein herab: Allwissenheit, todlose Wissensmacht und Schöpfungskunst umhüllten ihn, drangen ihm in Hirn und Nerven und konfrontierten ihm mit sich vervielfältigenden Ewigkeiten welche gleichzeitig Platz in einem Nu an Erdenzeit fanden.
Seine Erdnatur wurde dem Sterben überantwortet ohne dass Tod sein Unendlichkeitserleben abbrechen konnte. In einem Augenblick erlebte er in sich ständig steigernden Zyklen alle Zeiten von Evolution und Menschwerdung und wurde von einer Macht, unbedingter als die Liebe und erhabener als alles je dagewesene, gefangen genommen, geprüft und erhoben.
In einer Wirbelwindumdrehung von Erleuchtung und Todesumnachtung wurde er hinaufgerissen in unvorstellbare Dimensionen emporgeschleudert in überkosmische Sphären und so, aus seiner Sterblichkeit herausgerissen, machte er grenzenlose Wandlung durch.
Es war der Allwissende, der ohne zu sehen sieht und ohne zu denken wirkt. Seine nichtentzifferbare Allmacht, Seine mystische Gestalt, die alles Seiende, alles was war ist oder je sein könnte, in sich birgt, der ihn aus seiner Einsamkeit endloser Suche in Seine Umarmung zwang.
Wie ein zeitenloses Auge solche Stunden annulliert, da es den Handelnden und seine Handlungen aufhebt so ist durch diesen Vorgang sein Geist blank und rein gewaschen worden und sein Mental, wie zernichtet, zu einer unbeschriebenen Tafel geworden auf welche nun Einer nur noch schreiben konnte.
Was alles das gefallene Bewusstsein niederdrückt hatte war gelöscht und ein mystischer Schlüssel aus Feuer hatte alle Gestalten der Vergangenheit aufgezehrt. An der Berührung mit der Ewigkeit war seiner Sinne Muster und Struktur zerschmolzen und enorme Wirkungen entblössten unentdeckte Schichten. Seltsame Energien wirkten und verhüllten riesige Hände, lösten alle Bindungen von Mental und Bewusstsein und ermächtigte der Schau einen Blick auf eine sich enthüllende Gottheit. Eine tastende Annäherung ans Absolute hatte sein Fühlen ins kosmische erhoben und seinen Blick ins Transzendente gewendet.
Die Illusion verlor so ihre Magie. Als ihrer irreführenden Macht die Mittel entfielen zerstoben ihm die begründenden Parameter der Weltarchitektur ins Wesenlose und machten die ahnende Schau ultimativer Wirklichkeit möglich.
Was unveränderlich und gleichen Alters mit der Welt als Umkreis und Ende von Denken, Hoffen und Bemühen, unerbittlich gemauert als Labyrinth der Unentrinnbarkeit, hatte sich zur puren Chimäre entschleiert. Die schreckliche Verhüllung und das tief Verborgene, die dräuenden Verbotsregeln und Tabus, deren Verletzung mit albtraumhaften Finsternissen geahndet wird, verschwanden nun und hoben damit ihre ungeheuerlichen Rollen auf. Das Nichts, das einst Ausgangspunkt jeglichen Werdens hier gewesen ist, machte einem numinosen Allsein Platz und Licht trat an die Stelle wo zuvor unentrinnbar das Nichts seine magische Zugkraft ausgeübt hatte.
So wurden die unnütz gewordenen Gesetze von Natur und Erde entmachtet und die Urkunden des Schicksals abgeschafft. Das von Tod, Schmerz, Vergeblichkeit und Sterben bedrohte und gehetzte Menschwesen war nicht mehr zu bewahren angesichts einer alles verwandelnden Unermesslichkeit und das vormals grausam eingezwängte Weltherz sprengte die Dämme der Vergänglichkeit. Seele und Kosmos standen sich nun als gleichartige Mächte gegenüber. Ein unbegrenztes Wesen unbeschränkter Zeit zugehörig drang in der Unendlichkeit Wesensnatur ein und sah ein riesenhaftes Feld vor sich ohne Wege und Mauern.
Es gab nun keinen Streit mehr zwischen dieser und jener Wahrheit. Das endlose Kapitel ihrer Widersprüchlichkeiten konnte im Lichte allerkennender Wissheiten als Formspiel gegensätzlicher und abstrakter Sinngestalten dem allgemeinen Wirklichkeitsspiel überantwortet werden. Verschlungenes mentales Suchen entwandt sich der Vergeblichkeit und wurde mittels einer allsichtigen Denk- und Formelsprache seiner Erlösung entgegengeführt welche das Gewand des ursprünglichen ersten Denkens trug und phänomenal in einen schlüssigen und alles begreiflich machenden Erklärungssatz kulminierte.
Hinter weit sich ausdehnenden Weltmeeren des Selbstes erschienen die todlosen Länder Gottes und erfüllt von manchen wunderbaren Zusammenhängen entrollte sich ein ungeheures Ziel. Befreit vom Netz irdischer Sinnlichkeit entschleierten sich Kontinente grosser Mächtigkeit. Der Schönheit Heimatländer blendeten die nachtgewohnten Augen und erfüllten sie mit einer Schau hoher Glücklichkeit. Dort durfte er Rast machen, der Reisende auf Strassen ohne Nam‘ und Karte, und brach nun ein in anderen Raum und andere Zeit.