Wirklichkeit entschleiert sich indem man Zeitliches transzendiert





Wer Wirklichkeit erfahren will muss sich zumindest temporär dem Zeitfluss entziehen, denn alles Zeitliche unterliegt der Entropie während Wirklichkeit per definitionem das ist was ihr nicht unterliegt.

Erinnerungen - und das Gegenteil Erwartungen - werden im Menschen meist als Strukturen von Schuld, Versagen, Angst, Sorge, Traumata aller Art usw. also Formen von Leid gespeichert. Zu diesem Zweck werden Quantitäten von Bewusstsein in Neuronen gebunden und stehen damit dem Tagesbewusstsein nicht mehr zur Verfügung, wodurch im Laufe eines Lebens Kreativität, Spontaneität, Lebensfreude, Glück und Leistungsfähigkeit immer mehr reduziert werden.

Bei der Transzendentalen Meditation kommt folgender Mechanismus zur Anwendung:
Man wendet sein Bewusstsein für eine bestimmte wohlbemessene Zeit einem einzigen völlig bedeutungslosen Gedanken zu. Das hat zur Folge, dass das gesamte Bewusstsein sich allmählich immer mehr vereinfacht und gleichzeitig immer mehr intensiviert. Schliesslich wird es inhaltsleer. Gedanken aller Art (einschliesslich Erinnerungen und Erwartungen) verlieren für kurze Zeit jede Bedeutung und damit jeden Bezug zum Menschen. Reines Bewusstsein hat eine grosse transformatorische Kraft und - neben anderem - die Fähigkeit strukturiertes Bewusstsein in Reines zurückzuverwandeln. Im Laufe der Jahre führt dieser Vorgang zu einem Zustand in welchem man in der Lage ist die Strahlkraft der Wirklichkeit zu ertragen und durch Assimilation sich selbst und seinem Umfeld nutzbar zu machen.





Vom Denken des Denkens zum Seien des Denkens:
Wer Transzendenz anstrebt muss sich eines vergegenwärtigen: Es gibt einen „Körper“ des Denkens. Dieser Körper ist völlig ungleich jeglichem bekannten Körper – eher ein Ding wie der Körper in der Mathematik: Unvorstellbar gross, komplex und wohlstrukturiert.
Man erfährt dieses Gebilde ohne Transzendenzerfahrungen lediglich in seinen grobsten Ausläufern - also den einfachen Gedanken. Dort gibt es reichhaltigen Vorrat an Verschiedenheit der unglaublichsten Art. Manche Gedanken sind derart grob, dass man ihnen nichteinmal im Traum begegnen möchte – und wenn schon nicht im Traum dann noch weniger im Wachen -, andere sind feiner vornehm oder edel – je nach persönlicher Bewusstseinslage.
Der regelmässig Meditierende ist gewohnt mit selbigen zu liebäugeln, jedoch nicht wirklich, denn loslassen und nichtanhaften ist seine durchgängige Disziplin. Durch diese im Rahmen der Meditation durchaus stoisch zu nennende Geisteshaltung reift in ihm ganz allmählich eine Selbststruktur.
Und dieses Selbst gelangt im Laufe der Jahre zu immer feinerer Strukturierung im Körper des Denkens, bis es in die Lage versetzt wird an den Rändern des allerfeinsten Subtilen das Seien jeglichen Denkens wahrzunehmen um dadurch das Sein jeglichen Seiens zu erkennen.
Doch gleichgültig ob man sich am Anfang des Weges oder an dessen Ende befindet: Disziplin (Yoga) ist der Zweck und das Mittel zum Zweck.

„Man muss sich Sysiphos als glücklichen Mensch vorstellen.“
(Albert Camus)



04.10.2020