Oberhausen, 20.05.2006 19:02:36

Das Wahre und das Logische sind Einunddasselbe

These 1: Jesus und Johannes waren gemeinschaftliche Autoren des JohannesEvangeliums

These 2: Johannes war der „Jünger, den Jesus liebte“, der aber im Evangelium ansonsten namenlos bleibt.

These 3: Johannes und Judas Iskariot waren Einundderselbe.

Diese Thesen werden im folgenden textkritisch bewiesen, wobei dem Leser empfohlen wird, die Brille des theologischen Exegeten gegen die des Sherlock Holmes auszutauschen. Es handelt sich um ein Vorgehen nach dem Muster einer Zweistein’schen Logelei aus dem alten ZEIT-Magazin. Die BluesBrothers waren nämlich Pfiffikusse und Schüler, bzw. Söhne des LOGOS. Da muss immer die Wahrheit gesagt und geschrieben werden. Nur Auslassen und Schweigen – das ist erlaubt.

Na, ist doch logisch!

Beweis These 1: Beginnen wir mit dem Ende: In Kapitel 21 Vers 25 (21:25) ist zu lesen: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.“

Na bitte! Immerhin waren sie so offen zu bekennen, dass sie einiges nicht berichtet haben – vor allem Dinge, für die man öffentlich geächtet, zum Tode verurteilt oder schlimmeres wurde.

Ein Vers zurück (21:24) lautet: Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.

Nur 21 deutsche Worte, doch welch eine Aussage.

Eine Logelei lässt sich nur lösen, wenn eine Grundannahme getroffen wird. Ist diese Grundannahme richtig, führt sie zwingend zur Lösung. Die Grundannahme, welche zur vollständigen Auflösung der uns bekannten 2000 Jahre alten Lügelei führen muss, besteht darin, dass Vers 21:24 des JohannesEvangeliums der Wahrheit entspricht.

Dem Schreiber (nicht Autor) des JohannesEvangeliums wird in diesem Vers von mindestens 2 Personen (wir) bescheinigt, dass alles wahr ist, was er aufgeschrieben hat und das er persönlich anwesend gewesen sein muss – anderenfalls hätte er es nicht bezeugen können.

Daraus ergibt sich logisch, dass der Autor dieses Verses (der nicht unbedingt auch der Schreiber gewesen sein muss) nicht Johannes selbst sein kann, sondern eine der Personen sein muss, die im „wir“ stecken. Aus dem szenischen und logischen Zusammenhang kommt nur eine einzige menschliche Person in Betracht, die glaubhaft dieses Zeugnis ablegen kann, und zwar Jesus selbst.

Damit wäre die These 1, dass nämlich Jesus und Johannes gemeinschaftlich Autoren des JohannesEvangeliums waren, bereits bewiesen. Die theologische Exegese ist so freundlich, diese These noch weiter zu untermauern. Sie hat nämlich herausgefunden, dass die Texte von Passion und letztem Abendmahl (nach dem Abschied des Judas) sich stilistisch so erheblich vom Rest der Epistel unterscheiden, dass ein zweiter Autor angenommen werden muss. Das ist richtig und auch logisch; denn nach dem Abschied des Judas war Johannes nicht mehr Zeuge (anwesend), konnte also nur auf das Zeugnis von Jesus selbst zurückgreifen und der hatte halt einen ganz anderen Stil. Der Beweis dazu kommt (etwas) später.

Beweis These 2: Gehen wir einen Schritt weiter zurück: Die einleitenden Worte aus 21:24 lauten „Dieser Jünger..“. Sie beziehen sich auf 21:20:

„Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, (diesem) folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?“

Ohne weiteres analytisches Zutun wird hier erkennbar, dass der Schreiber des JohannesEvangeliums dieselbe Person sein muss, die im Rest der Epistel namenlos bleibt und mehrfach bezeichnet wird als „der Jünger den Jesus liebte“.

(Liebte Er die anderen etwa nicht? Oder liebte Er diesen ganz besonders? Aber wie dann bloss? Fragen über Fragen!)

Und genau dies ist die Stelle, an der Johannes zu Judas wird, bzw. Judas erfindet und die ihm zugeschriebenden Taten selbst begeht.

Joh 13,30 Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.

Damit ist These 2 bewiesen.

Beweis These 3: Nun ein bis drei Schritte vor. 21:21-21:23:

21 Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?

22 Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!

23 Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?

Vers 21 drückt klar und unmissverständlich aus, dass Petrus überrascht und nicht besonders erfreut ist, diesen Jünger in der Gesellschaft Jesu zu sehen. Dafür wird er in Vers 22 von Jesus harsch zurechtgewiesen. Vers 23 verrät den Grund für die Überraschung des Petrus (und seine Verärgerung). Es handelt sich nämlich um den Jünger, von dem alle bis zum Zeitpunkt dieses Geschehens annahmen, er sei tot. Und da gibt es im Gesamtzusammenhang des bekannte Handlungsablaufs zu diesem Zeitpunkt nur einen einzigen, und zwar Judas Iskariot, dem von Petrus selbst ein grausamer Tod durch Selbstmord mit anschliessender Selbstzerfleischung attestiert worden war. (Apostelgeschichte 1:15 – 1:21).

Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass Petrus laut Apostelgeschichte (1:9) Jesus hat auf einer „Weissen Wolke“ zum Himmel auffahren sehen und Ihm nun samt dem für tot erklärten Judas auf der Erde wieder begegnen muss. Klar, dass der sauer war!

Damit ist These 3 bewiesen.

Der Beweis lässt sich jedoch noch weiter untermauern.

In der Nacht der Gefangennahme findet ein weiterer Jünger ohne Namen an zentraler Stelle Erwähnung. Johannes (18:15 – 18:16):

15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes.

16 Petrus aber blieb draussen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein.

Dieser Jünger ist mit Kajaphas, dem Erzgegner Jesu, gut bekannt und besitzt an dessen Hof soviel Einfluss, dass er Petrus an der Pförtnerin vorbeischleusen kann - was so ganz nebenbei demonstriert, dass zu diesem Zeitpunkt zwischen Petrus und jenem Jünger keine Feindschaft bestanden haben kann, sondern volles Einvernehmen.

Sollte Johannes den Namen etwa nicht gekannt haben?

Ausgeschlossen!

Die Fussnotenkommentare zu Herders Einheitsübersetzung sind immerhin so hellsichtig anzumerken: „vielleicht der „Jünger, den Jesus liebte“.

Es kann zu Fassungslosigkeit führen, wenn man sich vorstellen muss, dass Generationen von Theologen und Priestern aus Hunderten von Jahren an dieser Textstelle vorbeimarschiert sind, ohne (laut) den Schluss zu ziehen, der hier einzig möglich ist, dass nämlich dieser Jünger der sein muss, der Jesus verriet.

Der Grund für dieses theologisch+exegetische Blackout ist offensichtlich:

Mit diesem Schluss wäre bereits zum Zeitpunkt des Konzils von Nizäa das gesamte theologische Dogma um das „unschuldige Gotteslamm“ und den „vom Satan besessenen Verräter“ ins Leere kollabiert.

Dann hätte ja Petrus mit diesem (zu diesem Zeitpunkt) unter einer Decke gesteckt haben müssen!

Dann hätte man ja erklären müssen, wieso es hier vermieden wird, Judas beim Namen zu nennen.

Dann hätte man ja auf die Idee kommen können, dass „der Jünger, der ihn verriet“ und „der Jünger, den er liebte“ Einundderselbe sind.

Dann wären ja alle anderen Textstellen, die von einem Judas berichten, der sich nach dem Verrat aus Verzweiflung und Schuldgefühlen erhängt haben soll, als Fälschungen, bzw. Ammenmärchen entlarvt und die Glaubwürdigkeit aller anderen Texte aus denselben Quellen grundlegend in Zweifel zu ziehen (Matthäus 27:3, Apostelgeschichte 1:15 – 1:21).

Dann hätte man ja für dieses gordische Knäuel vernünftige und logische Erklärungen anbieten müssen.

Dann hätte man ja Wege finden müssen, alles dies an der Inquisition, den Päpsten, den Bischöfen, den Kardinälen, den Ordensoberen und an den sonstigen Glaubenskongregationen vorbeizuschleusen.

Ganz offensichtlich ist alles dies nicht geschehen.

Dies war die Beweisuntermauerung zu These 3.

Der Rest des Rätsels löst sich, wenn klar wird, dass der Jünger, den Er besonders liebte und der Ihm beim Abendessen an der Brust lag, derselbe war, dem Er den Bissen in den Mund steckte und der also zu diesem Zeitpunkt noch Judas hiess.

Ist doch logisch – weil – wenns jemand anders gewesen wäre hätter ja mächtig lange Arme haben müssen – und die, die hatter ers 1 Tag später gehabt.

Bleiben die Fragen nach dem Wieso? Warum? und Weshalb?.

Aber das ist eine andere Geschichte.

08.11.2019