Wunder

Synonym für die Unwahrscheinlichkeit positiver Ereignisse.

In diesem Sinne darf man den heutigen Stand irdischer Technologie oder das Aufkommen der Beatles in der heissesten Phase des kalten Krieges als Wunder bezeichnen. Und in diesem Sinne ist die heutige Erde prall gefüllt mit Wundern - angefangen von der sixtinischen Kapelle und nicht endend bei der Teflon-Pfanne.



Doch wünscht man sich seit jeher unter dieser Kategorie etwas wesentlich ausgefalleneres und realitätssprengenderes als es die normalen irdischen Wunder nun mal sind.

Und da gibt es den durchaus interessanten Versuch der Filmindustrie solch ein Wunder zu erfinden. Der Film hat den Titel: "Und täglich grüsst das Murmeltier.."

Man erzählt etwas völlig Unmögliches, nämlich dass es einem Menschen widerfährt, ohne Sinn, Verstand, Grund oder Vorwarnung den selben Kalendertag endlos immer wieder zu erleben. Die Ereignisse wiederholen sich wie in einer Maschine. Nur der Hauptakteur hat die Freiheit darauf völlig frei so zu reagieren wie es ihm beliebt.

Wie im hinduistischen Kreislauf der Geburten wird zunächst gemordet geraubt und betrogen (der Egoismus regiert). Dann wird versucht in einer endlosen Varianz von Selbstmorden dem ein Ende zu bereiten (die Läuterungsphase). Zu guter Letzt geschieht das WUNDER! Der Mann geht in die Knie und beginnt ein Liebender zu werden.

Versetzt man diese Allegorie ins Irdisch-Mögliche landet man beim Buddhismus. Erleuchtung als allerhöchste Möglichkeit des Menschseins wird erworben indem eine jegliche Inkarnation dazu genutzt wird der Verblendung, dem Nichtwissen und dem Egoismus zu entsagen um das höchste Gut zu verwirklichen.

Was ehemals so schwer und entsagungsvoll gewesen ist dass sich nur wenige Menschen auf den Weg machten, ist heute relativ simpel, mühelos und durch reine Routine zu erreichen. Das Wunder welches dies ermöglicht ist die Transzendentale Meditation (TM).

Wer lange genug meditiert hat und den Film kennt weiss es: Dieses Produkt der Unterhaltungsindustrie illustriert die Auswirkungen des Wechsels vom entropiegebeutelten Alltagsmenschen (vom alles Höhere verachtenden Berufszyniker Phil Connors (Bill Murray) ideal in Szene gesetzt) zum erlöserhaft agierenden Erleuchtungswesen (Bodhisattwa).

Bezogen auf TM: Die "Ewige Wiederkehr des Gleichen" (2 mal täglich 20 Minuten ) bei stetig sich erhöhender Glücksfrequenz (Kohärenz) - ohne von der Zukunft anderes zu erwarten als genau das - wird für den TMler zur einzig relevanten Wirklichkeitsmatrix welche den alten grauen Alltag für immer aus dem Gedächtnis verschwinden lässt. Gesundheit, Zufriedenheit, Wohlbehagen und Stärke nehmen ständig zu ohne für dieses Glück noch eine Leistung erbringen zu müssen. Der Zeitpfeil (Vergangenheit -> Zukunft) wird zu einem Ring geschmiedet der die Zweidimensionalität der Reinkarnationsmühle (Geburt -> Tod) in eine dreidimensionale Aufwärtsspirale spiritueller Evolution erweitert. Das MachtIch wird zu Liebe Demut und Dankbarkeit erlöst (erleuchtet).

Der titelgebende Murmeltiertag ist ein tatsächlich auf Erden sich jährlich wiederholendes Ereignis. In den USA (Punxathawney) feiert man am 2. Februar jeden Jahres das Ende des Winterschlafs der Murmeltiere.

Winterschlaf steht für das Unbewusste, die Unwissenheit, die Herrschaft der Entropie, also das Gegenteil der Erleuchtung. Da muss man es doch als unwahrscheinlichen Zufall ansehen, dass die Umkehrung der Abkürzung von Murmeltier (MT) TM ergibt (natürlich nur in der deutschen Version). Oder dass das Murmeltierdatum 2/2 durch Erweiterung mittels zweier NUllen zu 20/20 wird (der Anwendungsvorschrift zur TM).

Nun - egal ob deutschsprachig oder Siebenschläfer - die Bestimmung eines Wunders ist letztlich nichts als eine Sache der Mathematik.
Und weil es sich belegen lässt (mathematisch) nun eine Aussage die sich gewaschen hat: Weil der Erleuchtungszustand nachweislich - bezogen auf alle Menschen aller Zeiten - der unwahrscheinlichste (und gleichzeitig positivste) Bewusstseinzustand ist, muss er als das grösste zu verwirklichende menschliche Wunder angesehen werden. Und der zitierte Film belegt diese Aussage mittels Analogiebildung; denn er macht in etwa fühlbar anschaulich, wieviele bescheuerte und endlos nervige Inkarnationen man rechtgesinnt durchstehen muss, bloss umdass aus einem Übelbold ein Tugendbold werde! Und Erleuchtung ist so viel mehr als simple ethische Makellosigkeit.

Und dann kommt Maharishi mit seiner TM-Offensive und macht die ganze wundersame Hochrechnung kaputt; denn heutzutage ist Erleuchtung fast wahrscheinlicher als Milliardär.

05.12.2018

Nun kommt das deutsche Fernsehen und setzt noch einen drauf! Da kam Jemandem (genialen) die Idee, das Murmeltiermeisterwerk als deutschen Tatort zu remaken – und das mit unfasslicher Bravour. Es handelt sich um jenen ausserordentlich strahlungsgewandten Ausnahmekommissar namens Murot in dessen Gegenwart die triviale Raumzeit einer Verbrechenslänge zur Jetztzeit allversöhnender Erlöstheit transmutiert. Die wie unentrinnbar erscheinende Zeitschleife wird in eine infinitesimale Verdichtung gezwungen um dem Weisheitssinn des Kriminalkommissars das Nadelöhr des einzig möglichen Auswegs quasi aufzunötigen: Achtsamkeit, Wachheit, Gewaltlosigkeit – eine Lehrstunde wie sie Urbuddha persönlich nicht effektiver hätte geben können! M(uro)T und das Murmeltier: Genau so ist es mit TM zu leben.

05.12.2019